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Charakterzüge, die mehr Geld im Job bringen - Big five

02.01.2018

Bringen Sie für Ihren Job die richtige Persönlichkeit mit, füllt sich deine Lohntüte schneller als bei den Kollegen. Leider verpassen wir laut den Psychologen oft die ideale Anstellung.
eist zeigen Studien zum Thema Beruf, wann Arbeitnehmer glücklicher oder leistungsfähiger sind oder wie sie es sein könnten. Wenige Großversuche verraten aber, wie man im Beruf mehr Geld verdient. Eine in Deutschland durchgeführte Untersuchung tut es: „Jeder sollte bei diesen Ergebnissen aufhorchen, weil sie zeigen, dass man in einem Job, der zur eigenen Persönlichkeit passt, mehr Geld verdienen kann“, sagt Professor Jaap J. A. Denissen, Entwicklungspsychologe an der Tilburg Universität.

Um das Neue an den Erkenntnissen des Studienleiters zu verstehen, führen wir uns kurz landläufige populärwissenschaftliche Aussagen zu Gemüte. Sieht so aus:

Bestimmte Charaktereigenschaften beeinflussen in jedem Beruf das Gehalt auf gleiche Weise. Diese Charaktereigenschaften werden dann häufig mit dem etablierten Modell der „Big Five“ eingeordnet. Sie beschreiben die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit, in denen sich jeder Mensch bewegt:

Offenheit für Erfahrungen

Gewissenhaftigkeit

Geselligkeit

Verträglichkeit (Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie)

Neurotizismus (emotionale Labilität)

Wenn Sie es bei den „Big Five“ besonders gut treffen, soll das angeblich schon die halbe Miete für Erfolg im Job und ein besseres Gehalt sein. Ein Beispiel: Sind Sie im hohen Maße verträglich, heißt das, sie halten Regeln ein, sind gut organisiert und arbeiten härter. Welchen Chef freut solch eine fleißige Arbeitsdrohne nicht? Hohe Verträglichkeit wird sich doch wohl also immer besser im Beruf machen, zu höherem Verdienst führen?

Das wurde schon in so mancher Studie bezweifelt. Denissen und Kollegen halten entschieden dagegen: „Es gibt keine ideale Persönlichkeit per se: Auch die Umgebung der Person muss berücksichtigt werden“, so Denissen.

Die Arbeitswelten unterscheiden sich, wie wir alle wissen, erheblich und zeichnen sich durch spezielle Anforderungen aus. Um die jeweiligen Berufsanforderungen festzustellen, ziehen die Psychologen der Universität Tilburg zwei langjährige psychologische Experten der Bundesagentur für Arbeit hinzu. Zusammen setzen sie für die Jobs der Befragten jeweils Idealpersönlichkeiten an, die am besten den Anforderungen entsprechen. Nennen wir solche idealen Arbeitnehmer der Catchiness halber „Traumangestellte“.

Ein schönes Beispiel ist die Geselligkeit. Der Traumangestellte in der Buchhandlung braucht ihnen zufolge am wenigsten Geselligkeit, Schauspieler und Regisseure am meisten von allen. Es bleibt allerdings fraglich, ob es so etwas wie einen Traumangestellten überhaupt gibt. Oder was meinst du?

Dann vergleichen die Wissenschaftler Persönlichkeitsprofile, jährliches Einkommen und Berufe von 8.458 Deutschen. Um die Persönlichkeiten festzustellen, lassen sie die Probanden bewerten, wie gut 15 verschiedene Aussagen auf sie zutreffen. Offenheit für Erfahrungen, einer der Big Five, wird zum Beispiel anhand der Aussage „Ich seh mich selbst als jemand mit einer lebhaften Fantasie“ bewertet.

Männer machen bei den Befragungen den größeren Anteil aus (68%) weil sie häufiger in Vollzeit angestellt sind als Frauen. Dabei entstehen Persönlichkeitsprofile jedes einzelnen Teilnehmers. Bleibt nur noch zu schauen, wie gut die auf die Anforderungen der jeweiligen Anstellungen passen. Und, wie das Gehalt der Versuchskaninchen aussieht. Es stellt sich heraus: Ein Arbeitnehmer verdient im Schnitt mehr, wenn sie oder er dem Traumangestellten eher entspricht.

Das gilt aber nicht für alle der getesteten Big Five, sondern nur für drei: Offenheit für Erfahrungen, Geselligkeit und Verträglichkeit sollten passen.

Ist das der Fall, verdient der Angestellte in der Regel auch mehr als seine weniger passenden Kollegen. Neurotizismus, beziehungsweise emotionale Stabilität, sind meistens in viel zu hohem Maße gefragt, als dass ein Arbeitnehmer dem entsprechen könnte. Und obwohl sich zumindest vier Big Five richtig gut anhören, gibt es bei ihnen sogar auch ein Zuviel des Guten.

Sind Sie offener, geselliger oder verträglicher als unbedingt nötig, verdienen Sie der Studie nach auch weniger. Es muss scheinbar wirklich passen. Und es gibt sogar richtig „schlechte gute“ Charaktereigenschaften: „Sehr verträgliche Menschen zum Beispiel, deren Jobs nicht so viel davon erfordern, verdienen weniger, als unverträgliche Individuen, deren Jobs ein hohes Maß an Verträglichkeit verlangen“, sagt Professor Denissen.

Das Übermaß ist bei Verträglichkeit also manchmal schädlicher für die Gehaltsabrechnung als der Mangel. Das kann daran liegen, dass ein weniger verträgliches Umfeld, in Form eines unverträglichen Chefs zum Beispiel, auch weniger zu geben bereit ist als ein übermäßig verträglicher Chef.

Viele Deutsche könnten Traumangestellte sein. Sie seien nur im falschen Job, resümieren die Forscher. Nehmen wir die Offenheit für Erfahrungen. Viele der bewerteten Deutschen (gelbe Kurve) entsprechen der Offenheit, die insgesamt in der Arbeitswelt gesucht wird (blaue Kurve).

Das ist aber bei Weitem nicht immer in dem Beruf der Fall, den sie gerade ausüben. 58 Prozent des Kurveninhalts überschneiden sich. Das heißt, 58 Prozent der Deutschen könnten im Idealfall eine Anstellung haben, für die sie genau die richtige Offenheit für Erfahrungen mitbringen. In puncto Geselligkeit können gar 73 Prozent genau den passenden Broterwerb finden, für ihre Verträglichkeit nur 44 Prozent. Viele von uns suchen aber nicht aktiv nach der passenden Anstellung.

Artikel von Joel Wille – Die Welt
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